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Woher kommen die
Ideen?
"Michel" (Im schwedischen Original heißt Michel Emil, Anmerkung der Redaktion) war zuerst auch nur ein Name, herausgeschmettert, um ein plärrendes Kind zum Schweigen zu bringen: "Rat mal, was der Michel damals angestellt hat!" Da war der Schreihals still, denn er wollte ja unbedingt wissen, was Michel damals getan hat. Wer dieser Michel war, davon hatte ich selbst noch keine Ahnung, aber das kümmerte mich vorerst auch wenig. Und auf einmal, ohne dass ich wusste, wie, bekam der Knirps Leben und fing an, Streiche zu machen; er war einfach nicht mehr zurückzuhalten. "Einfälle" kann man manchmal als ebenso lebendig empfinden wie richtige Menschen, und für meinen alten Vater, Samuel August, wurde der Michel schließlich beinahe Wirklichkeit. Wahrscheinlich hat er sich diesem Michel verwandt gefühlt, und von seinem Altmännerbett im Siechenheim träumte er sich zurück in sein eigenes Streichemacheralter in einer vergangenen Zeit und Welt, der auch Michel angehörte. Wenn er von Michel hörte, der barfuß durch Lönneberga läuft, wurde Samuel August ein ähnlicher kleiner Jungge aus einer Nachbargemeinde in Småland, obwohl er selber als Kind bestimmt nie ganz so viele Streiche gemacht hat. Aber Gatter hat er geöffnet, um Zweiöremünzen und Fünföremünzen zu bekommen, genau wie Michel, und Krebse hat er gefangen, genau wie Michel, 60 Schock in einer einzigen dunklen Augustnacht. Man stelle sich das vor! Auf Jahrmärkten, Versteigerungen und bei Glaubensbefragungen war er genauso heimisch wie Michel - und er konnte auch davon erzählen!
"Aber Linnert konnte keinen einzigen Ton herausbringen", sagte Samuel August entrüstet, als er davon erzählte. Hier muss erwähnt werden, dass durch Samuel Augusts Gesang gewiss keine Schmerzen gelindert wurden, welcher Art sie auch sein mochten. Es wird also mit dieser Narkose nicht weit her gewesen sein. Armes kleines Pferd! Darüber aber steht in den Michel-Büchern nichts. Hingegen ist das Lied "Eia kleines Fohlen" zu finden, in abgeänderter Form zwar und an anderer Stelle, wo, sage ich nicht. Etwas kann der Leser ja auch schließlich selbst herausfinden, nicht wahr? Mein Vater hat mir vieles erzählt, und auch ich habe ihm manches erzählt, als er alt geworden war und kaum noch lesen konnte. Aus dem letzten Michel-Buch hat er, bevor er von uns ging, nur noch von Michels Bravourstücken auf der Auktion in Backhorva gehört. Da er selbst sein Leben lang sehr gern Geschäfte gemacht hatte, war er mit Michels Erfolgen dort äußerst zufrieden. Nachdem ich ihm von der Auktion in Backhorva erzählt hatte, sahen wir uns einige Monate nicht. Als wir uns wieder trafen, war gleich seine erste Frage: "Ist Michel inzwischen wieder auf einer Auktion gewesen?" Nein, Michel war leider auf keiner mehr gewesen! Wo kommen nur die Einfälle
her? Von Astrid Lindgren Anmerkung der Redaktion: Mit "letzten Jahrhunderts" ist das ausgehende 19.Jahrhundert gemeint.
Aus: "Solkatten/Hyss och påhitt", UR "Wir waren nicht besonders nett zu den Mägden, wie sie zu jener Zeit genannt wurden. Als Kind hatte man nicht Verstand genug ihnen für ihre Fürsorge dankbar zu sein, sondern trieb mit ihnen, soweit ich mich erinnern kann, nur Unfug: lief ohne zu überlegen mit nassen, schmutzigen Stiefeln über ihre frisch gescheuerten Küchendielen, machte sich mit dummen, selbst erdachten Witzen über ihre verschiedenen Bräutigame lustig. Und das Allerschlimmste, in kindlicher Grausamkeit und Einfalt brachte man sie um ihre spärlichen Liebesstunden, die es ja nur geben konnte, wenn die Brotgeber abends einmal irgendwo eingeladen waren. Nur dann konnte ein Bräutigam in der stockfinsteren Küche Einlass finden, nur dann konnte das Liebespaar auf der Küchenbank sitzen und sich ein wenig liebkosen." Aus: "Das entschwundene Land" von Astrid Lindgren
"Michel, weißt du, ist genau das Småland meiner Kindheit und ... die Figur hab ich so gern gehabt, dass ich geweint habe, als ich die letzten Zeilen schrieb, denn ich dachte, dass ich ihn nie wieder treffen würde. Wenn man seine Figuren trifft - ja, du weißt ja selbst, wie das ist, wenn man über seine Figuren schreibt, dann sind sie einem ganz nah. Ich war damals in Katthult." Astrid - Märchenfee der ganzen Welt, TV2 Illustrationen: Björn Berg |